Archiv der Kategorie: Geschichten

Eine lyrische Elbreise am 11.10. in Hamburg-Eimsbüttel

Um 16 Uhr im Chaussee-Café erwartet Sie und Euch Lyrik und Kurzprosa aus meinem aktuellen Buch „Töne, metallen, trägt der Fluss – eine lyrische Elbreise“. Dazu gebe ich Einblicke in meine Inspiration und Arbeitsweise, erzähle aus den Hintergründen zur Entstehung des Buchs.

Die Buchvorstellung organisiert die Hamburger Autorenvereinigung.

Hier gibt es weitere Informationen: Veranstaltungsseite der Hamburger Autorenvereinigung

Nachlese Leipzig

Das war sie schon wieder, die Buchmesse!

Samstag hatten wir einen Tag im Hotel, während draußen der Schnee rieselte, rieselte, rieselte … nachmittags rutschten wir mit zwei Bassgitarren, Verstärker, Geräten, Kabeln und Koffer mit Büchern und CDs im Gepäck mit dem Auto zum Gohliser Schlösschen.

Zunächst stellte die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik unter der Leitung von Ralph Grüneberger die aktuellen Exemplare „Steinbrech“ und „Vom Glück“ der Lyrikzeitschrift „Poesiealbum neu vor. Es lasen mit mir Patricia Falkenburg, Heidrun Stödtler, Joachim Gräber und Andreas Reimann, der mit dem Poesiealbum neu-Lyrikpreis ausgezeichnet wurde (s. geteilten Beitrag vom 18.3.18). Wolfgang CG Schönfeld spielte seine Kompositionen und improvisierte am Solo-Bass.

Um 21 Uhr schloss der Leseabend mit der traditionellen Wiesenburg-Lesung, die von Susanne Leiste-Bruhn und ihrem neuen Buch „Seezeichen“ und von mir gestaltet wurde. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse, einem gesperrten Hauptbahnhof und nicht mehr fahrenden Bahnen hatten sich einige interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer eingefunden und für eine angenehme und positive Atmosphäre gesorgt.

(Fotos: Wolfgang Schönfeld)

Es waren schöne Tage, vielen Dank an alle Mitwirkenden und ganz besonders an den Wiesenburg Verlag!

Endlich da: mein neues Buch!

Hamburg – die Reise beginnt in der Stadt und zwischen den Zeiten. Leben in der Kriegs- und Nachkriegszeit steht dem heutigen urbanen Leben gegenüber. Die Stadt ist eine von Menschen gemachte Welt und dementsprechend dominiert der Mensch hier die Natur.

Der Fluss ist der Weg, den die weitere Reise nimmt. Impressionen des Hafens, des Elbparks und das Lichterwerden der Uferbebauung am Rande der Stadt spiegelt sich in Gedichten wider. Die Natur hat mehr Raum und tritt deutlicher ins Bewusstsein.

Das Meer, der Sehnsuchtsort, ist das Ziel. Frei und leicht am Strand, unbegrenzter Blick, Macht und Kraft der See rücken die Verhältnisse zurecht und erinnern daran, dass die Schöpfung größer ist als der Mensch.

Das Buch kann man von vorwärts und rückwärts lesen, je nachdem, ob man in der Stadt oder am Meer anfangen möchte.

 

Töne, metallen, trägt der Fluss – eine lyrische Elbreise
Wiesenburg Verlag, Schweinfurt, 2018 (offizieller Erscheinungstermin: 1. März 2018)
Hardcover, 84 Seiten, € 14,90
Coverbild: Wolfgang Schönfeld, Ausschnitt aus dem Gemälde „Köhlbrand 1“

Signierte Ausgabe bei mir bestellbar, ich schicke das Buch portofrei zu.

Friedensdekade zum Thema „Streit!“ ist beendet

Wie in jedem November wurde auch dieses Jahr die ökumenische Friedensdekade begangen. An vielen Orten gab es Andachten, Gottesdienste und weitere Veranstaltungen zum Thema „Streit!“. Mit dem Friedensdekade-Team, das in diesem Jahr aus Wolfgang CG Schönfeld (Komposition, Bassgitarre), Heike Suzanne Hartmann-Heesch (Erzählungen), Sibylle Hoffmann, Detlev H. G. König und mir (alle Lyrik) bestand, spielte ich in der St. Petri-Kirche Hamburg-Altona und in der Kirche Bethanienhöfe. Wir beleuchteten das Thema aus privater und politischer Perspektive. Heike Suzanne Hartmann-Heesch behandelt den Verlust eines erwachsenen Kindes, das sich mit der Mutter zuletzt im Streit getrennt hatte. Sie las eine weitere Erzählung, in der es um Unausgesprochenes und Unverstandenes in einer Paarbeziehung ging. Friedensdekade zum Thema „Streit!“ ist beendet weiterlesen

Das Perlmutt-Mädchen

Permutt ist zum Niederknien schön. Nadja sammelt es und verliert sich in den kleinen Landschaften, Kratern, Sonnen. Nadja zerträumt Stunden, den Schoß voller Perlmutt. Sie ist Prinzessin, Fee, streift durch den Mondwald und prescht auf ihrem Schimmel über den Strand. Sie küsst Frösche, die sich in alles Mögliche verwandeln, hüllt sich in Kleider aus fein-ster Seide und isst zarte Pralinen mit göttlicher Schokolade. Nadja atmet tief ein. Die Perlmuttstücke klackern leise in ihrer Hand. Leider ist doch nur Montag.

Literatur und Musik zum Thema „Streit!“

(c) Ökumenische Friedensdekade

„Die Ökumenische Friedensdekade steht in diesem Jahr unter dem Motto „Streit!“ und streiten können muss man in einer Demokratie. Wer nicht streiten kann, der kann sich auch nicht einsetzen für das, woran er glaubt. Konflikt- und Dialogbereitschaft sind besonders wichtig für eine gesunde Demokratie. Man muss auch mal streiten, um die Perspektive zu wechseln und vielleicht einen neuen Blick auf alte Herausforderungen zu bekommen. Für jeden guten Kompromiss ist es schließlich entscheidend, dass beide Seiten sich gesehen fühlen.“ (Malu Dreyer, Grußwort)

Im Kleinen wie im Großen ist es entscheidend, ob und wie eine Streitkultur gelingt. Denn was in einer Beziehung oder Familie praktiziert wird, tragen deren Mitglieder nach außen. Mit dem diesjährigen Motto haben sich die Autorinnen Heike Suzanne Hartmann-Heesch, Sibylle Hoffmann und Maren Schönfeld sowie der Autor Detlev H. G. König in Form von Erzählungen und Gedichten befasst. Der Komponist und Musiker Wolfgang CG Schönfeld bildet mit seiner Instrumentalmusik für Bassgitarre, Orchester und Band eine Ebene ab, die wie eine eigene Sprache wirkt.

www.friedensdekade.de
Dieses Jahr werden wir zwei Auftritte haben:

14. November 2017 um 19:00 Uhr
Ev.-luth. St. Petri-Kirche Hamburg Altona,
Schillerstr. 22, 22767 Hamburg

und

16. November 2017 um 19:00 Uhr
Evangelisch-methodistische Kirche Bethanien, Bethanien-Höfe, Martinistr. 41-49, 20251 Hamburg

Eintritt ist jeweils frei, Hutspende willkommen

Violas Flaschenpost

Text und Foto: Maren Schönfeld

Die Flasche war dunkelgrün und eher klein, bauchig. Unterhalb des Flaschenhalses zierte sie ein erhabenes Muster, das ihr etwas Altmodisches oder Fremdes verlieh. Leise klirrend stieß die Flasche immer wieder gegen die Ufersteine; der rote Siegellack, mit dem sie verschlossen war, blieb unversehrt.

Bereits eine halbe Stunde saß Viola oben auf den Steinen und beobachtete die Flasche, hinter deren Glas es hell schimmerte. Es gab keinen Zweifel daran, dass es eine Flaschenpost war. Als Kind hatte Viola sich nichts sehnlicher gewünscht, als einmal eine Flaschenpost zu bekommen. Darum war sie auch zunächst die Böschung hinabgeklettert, um die Flasche an sich zu nehmen. Doch plötzlich hatte die Flasche etwas Bedrohliches angenommen. Auffordernd hatte sie geklirrt und verlangt, dass Viola sich ihrer annehme. Was, wenn die Flaschenpost kein Geschenk war, sondern eines verlangte? Violas Flaschenpost weiterlesen

Aktuelle Lesetermine

Am 15. Mai 2017 ab 19.30 Uhr werde ich als Autorin des Abends im Rahmen der Offenen Lesebühne Hamburg-West zwanzig Minuten Lesezeit haben. Aus meiner Sammlung alter und neuer Prosatexte Zwischen Kopf und Bauch werde ich Kurzgeschichten lesen.
Bistro Roth, Rothestr. 34, Hamburg-Ottensen, Eintritt € 2

Alice Kaufmann: Dornenbaum

Poesie trifft Komposition: Lebendige Farben, verwunschene Orte
Im Kunstforum der GEDOK Hamburg werden wir am 20. Mai um 19 Uhr in der Ausstellung „Bis an das Ende der Welt“ von Alice Kaufmann und Christine Grandt ein Programm aus unserer Reihe Poesie trifft Komposition spielen. Neue Gedichte sind zu den Werken der Künstlerinnen entstanden. Besonderer Höhepunkt ist die Premiere der Komposition „Fantasy of Seventh“ von Wolfgang CG Schönfeld, die Krisztina Gyöpös am Flügel spielen wird.
Mit einer kurzen Sequenz aus ihren Texten wird die Autorin Susanne Bienwald zu Anfang zu hören sein.
www.alicekaufmann.de, www.cristine-grandt.de
Kunstforum der GEDOK Hamburg, Koppel 66/Lange Reihe 75, 20099 Hamburg-St. Georg
Eintritt frei, Hutspende erbeten

www.gedok-hamburg.de

Christine Grandt: Eisberg

Die Aktion „Altona Macht Auf“ startet erneut am 23. und 28. Juni und wir sind gern mit einem Mini-Programm wieder dabei! Die Uhrzeiten werden wir erst ungefähr eine Woche vorher erfahren. Wieder gibt es einen geführten Rundgang von Fenster zu Fenster.

Leiser Dialog in Worpswede

Jugendstilfassade des Barkenhoffs, Foto: Walter Nitschkke, (c) anSICHTEN Verlag Bremen, 1999

Mit dem Betreten des Raumes setzt schlagartig Stille ein. Wie auf einer Zeitreise finde ich mich vor seinem Schreibtisch, eher ein Sekretär, sehe Tintenfass, Füllhalter und Briefpapier, einen Stapel Briefe, der auf Beantwortung wartet. Nur ein Stuhl, sonst keine Möbel in dem kleinen Zimmer. Den Sekretär vor eines der Erkerfenster gerückt, ein Raum für das Sehen nach außen, ins Grün, und nach innen. Kein Gegenstand, kein Zierrat lenkt ab.

Im August angekommen und wegen seines Aufzugs Aufsehen erregt: Von den Russlandreisen hatte er die Kleidung mitgebracht, trug das Hemd über der Hose. Nach der intensiven Nähe zu Lou wartete nun Stille auf ihn.
„Weiß, weiße Türen, Vasen darüber gemalt, aus denen Rosenketten sanft zu beiden Seiten fallen“, so beschrieb er den Salon, in dem sich die Künstler trafen. Es ist Trost, nach der Trennung von Lou in eine Gemeinschaft zu kommen, in der er nicht Gefolge, sondern um seiner selbst willen willkommen ist. Bei seinem ersten Besuch war ihm die Landschaft noch unheimlich gewesen, das Moor mit seinen aufsteigenden Nebeln, das manchmal überirdisch wirkende Licht.
Ich bringe es nicht fertig, mich zu setzen, obwohl ich allein im Zimmer bin. An sein Stehpult hätte ich mich vielleicht stellen, ein wenig anlehnen können. Aber das Pult fehlt, ausgerechnet das, von dessen Sorte es an jedem seiner Aufenthaltsorte ein Exemplar gegeben hat.
Aber steht er nicht eben hinter mir, neben mir, schweigend den Blick aus dem Fenster gerichtet? Nur im Schweigen, im Warten kommen Gedichte. Man kann sie nicht zwingen, ihnen nur die Pforte öffnen, indem man sich in Einsamkeit begibt.
Das Erkerzimmer ist schlicht, unverziert, Holz und beigefarbene Wände, weiße Fenster mit Blick in den Park, in dem das Haus sich verliert. Er ist Gast und wird Gast bleiben, zeitlebens und allerorten. Die Suche nach Heimat endet bei ihm selbst. Er trägt die Einsamkeit zu den Menschen, die er bald nur noch aus der Ferne lieben kann, lieben will. Nichts darf die Worte in ihm stören. Die „Große Arbeit“ ist sein Lebensziel und -zweck.
Ich spüre ihn hinter mir auf und ab gehen, seine Verse laut aufsagen. Die Haushälterin erschrak vor ihm, weil sie dachte, der seltsam gekleidete, zierliche Mann mit dem durchdringenden Blick bete unentwegt.
Wo er damals durch den Garten wanderte, schieben sich jetzt einzelne Gruppen aus dem Reisebus die schmalen Wege entlang, mit lauten Gesprächen. Er zöge sich lieber in sein Zimmer zurück, ihm wurden Gesellschaften schnell zu viel. Das ist vielleicht noch mehr Bindeglied zwischen uns als seine Themen und seine ungeheure Sprachfähigkeit: Diese Sehnsucht nach Einsamkeit und die Überzeugung, das alles in uns ist, wir ihm nur Raum geben, es hören müssen. Ich war in Prag auf seinen Spuren, habe in Westerwede vor dem Haus gestanden, das nach dem Brand und Abriss des alten Hauses gebaut wurde. Heimat, in dem alten Haus, für ihn und seine kleine Familie nur für ein gutes Jahr. Später noch einmal der Barkenhoff, als die Zeichen der Auflösung schon überdeutlich waren.

Wir stehen gemeinsam in diesem Zimmer und richten den Blick nach innen.

Das ist die Sehnsucht: Wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: Leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.*

Schritte nähern sich, ich wehre mich vergeblich.
„Ach, und das hier war das Zimmer von dem… wie hieß er noch gleich?“
Ich wende mich um. Der Raum füllt sich mit Wörtern, Belanglosigkeiten. Ich bin allein.

*(Rilke, Rainer Maria: Mir zur Feier, 1909)

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