Seit gestern befasse ich mich intensiv mit den Schriften um Hermann Sudermann. Um einen wirklichen Coup zu landen, muss man mit dem richtigen Text zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchen, heißt es. Sudermann hat das geschafft und mit seinem Stück „Die Ehre“ einen riesigen Erfolg erzielt. Auch sein erster Roman „Frau Sorge“ verkaufte sich herausragend. Aber Hermann Sudermann erlebte sowohl den größten Erfolg als auch die größte Verachtung und beißenden Spott, und das kommt bei ein und demselben Autor wohl eher selten vor. Mir stockte der Atem, als ich gestern und heute in einige Schriften aus der Zeit um 1903 las, wie extrem er angegangen wurde, wir würden das heute „Hatespeech“ nennen; damals war es in gedruckter Form in der Welt und hat sich bis heute erhalten. Ob die Interneteinträge das auch schaffen? Jedenfalls war dagegen der Roman „Tod eines Kritikers“ von Martin Walser, der seinerzeit die literarische Welt mächtig verstörte, eine höflich-ironische Schrift. Während seine Fans Hermann Sudermann weiterhin liebten, fiel er bei den Kritikern durch. Ist es nun für die Verkaufszahlen eines Buches gut, wenn es in der Kritik verrissen wird, oder schlecht? Reich-Ranicki sagte über sein Buch „Lauter Verrisse“, damit hätte er den Verfassern einen Gefallen getan, weil der Verriss durch die mediale Aufmerksamkeit die Verkaufszahlen erhöht hätte. Es gab aber auch Autoren, die das Gegenteil gesagt haben, dass nämlich ihr Buch erst gar keine Chance hatte, eine Leserschaft zu finden, weil es sich gleich gar nicht mehr verkaufte nach dem Verriss (im Buch oder im Literarischen Quartett). Natürlich wird man es nie herausfinden, weil man den Vergleich nicht ziehen kann, wie es ohne den Verriss verlaufen wäre.
Wie mag Hermann Sudermann sich gefühlt haben in der grotesken Situation, von einer Seite geliebt und gleichzeitig von anderer Seite verachtet, ja gehasst zu werden? Wohl war er selbst kein Kind von Traurigkeit, aber ich stelle es mir sehr schwer vor, sogar für jemanden, der sich zumindest nach außen wie ein alter Haudegen benahm. Gestern sah ich mir den alten Spielfilm „Die Reise nach Tilsit“ (1969; es gibt auch eine Verfilmung von 1939) an, der von der starken Leistung der Schauspieler profitiert. Er ist nach der gleichnamigen Geschichte von Sudermann entstanden. Ruth Maria Kubitschek, Gustav Knuth und weitere Größen damaliger Zeit spielten mit. Sehr viel in dem Film lebt von dem, was nicht gesagt wird, das hat mir imponiert. Die Geschichte wurde 1917 als eine der „Litauischen Geschichten“ veröffentlicht, in der Zeit des Ersten Weltkriegs. Hermann Sudermann war seit vielen Jahren sehr erfolgreich, seine Prosawerke erfuhren mehrere Auflagen und verschiedene Verfilmungen, seine Theaterstücke viele Aufführungen. Wer Lust hat, sich den Film anzuschauen, hier ist der Link: https://www.youtube.com/watch?v=ljpW9QNQVvM Für die Arbeit an dem Thema Hermann Sudermann muss ich sehr weit zurück in die Vergangenheit und sehe doch viele Verknüpfungen in die Gegenwart. Ich bin gespannt, wie es damit weitergehen wird.
Mein heutiges Highlight war dann noch ein Ausflug in die unteren Etagen des Archivs: Mit dem Bibliothekar, der das Rühmkorf-Archiv erstellt hat, durfte ich einen Blick in die berühmten grünen Kästen werfen, derer es mehrere Regalwände gibt. Irgendwo darin sind meine ersten lyrischen Gehversuche, die haben wir aber lieber im Kasten gelassen …
Morgen ist mein letzter Tag im Archiv. Den widme ich noch mal den Handschriften Rilkes, dieses Mal per Computer. Und am Freitag fahre ich mit wunderbaren Eindrücken, nachklingenden Begegnungen und sehr viel Material zurück – und freue mich darauf, alles auszuwerten und meine Projekte, für die ich hier geforscht habe, fortzuführen. Davon wird auf diesem Blog zu einem späteren Zeitpunkt noch die Rede sein.
Danke fürs Mitlesen!
Das LiteraturarchivDas SchillermuseumPause im Café MusenhofBlick aus dem Café MusenhofMittagsimbiss im ArchivcaféMorgennebel im Park auf der Schillerhöhe
Diesen Freitag in Blankenese, herzliche Einladung! Ihr kennt ja schon Harald Maihold mit der Klarinette, der Stücke aus Sudermanns Zeit spielt, z. B. Lieder von Hoffmann von Fallersleben. Ralf, Harald und ich freuen uns auf euch!
Eigentlich finde ich lange Autofahrten eher anstrengend. Aber die Fahrt nach Trebbin in Brandenburg war mit dem weiten Blick auf mindestens 50 Schattierungen von Grün so entspannend, dass die Anstrengung schnell vergessen war. Ohnehin mag ich es, mit guter Musik allein durch die Landschaft zu fahren und meinen Gedanken nachzuhängen. In diesem Fall freute ich mich darauf, das Schloss Blankensee nebst Park zu entdecken, das seit 1897 die Sommerresidenz des ostpreußischen Dramatikers und Schriftstellers Hermann Sudermann (1857-1928) war. Zunächst hatte er es gepachtet, wenige Jahre später gekauft. In die Schaffensphase als Schlossherr fiel sein beachtetes Buch „Litauische Geschichten“.
Marlene Dietrich wurde mit Sudermanns Stoff berühmt
Am Tag des offenen Denkmals, 13. September 2026, war es endlich soweit, dass ich den ersehnten Blick ins Gedenkzimmer des Schlosses werfen konnte, das im Andenken an den Dramatiker und Schriftsteller von der Hermann Sudermann Stiftung eingerichtet wurde und unterhalten wird. Man kann es bei Führungen oder eben am Tag des Denkmals besichtigen. Die große Treppe mit den verschieden hohen Stufen zu überwinden, war allerdings eine Herausforderung. Aber dann saß ich auf einem Klavierhocker mitten im Zimmer und ließ die Bilder und Gegenstände aus seinem Leben auf mich wirken. Ein besonderer Moment, nachdem ich mich sehr intensiv mit ihm und seinem frühen Roman „Frau Sorge“ befasst hatte. Seine Bibliotheksvitrinen sind original erhalten, mit alten Büchern, Geschirr und einer Büste von ihm sowie durch verschiedene Ausgaben seiner eigenen Titel ergänzt worden, auch in anderen Sprachen. Heute ist Hermann Sudermann kaum noch bekannt, aber zu seiner Zeit war er ein berühmter Mann. Seine Dramen und Geschichten wurden vielfach verfilmt, Namen wie Marlene Dietrich stehen mit seinen Werken in Verbindung. Leider wird er als Verfasser der ideengebenden literarischen Texte kaum genannt. Wie auf der Website der Hermann Sudermann Stiftung zu lesen ist, wurden Werke von ihm zwischen 1913 und 1982 rund vierzigmal verfilmt! Mehr dazu finden Sie hier: Verfilmungen von Sudermanns Geschichten
Über die berühmten Namen habe ich wahrhaftig gestaunt. Marlene Dietrich wurde mit dem Film „Song of Songs“ (1933) berühmt, der auf dem Roman „Das Hohe Lied“ (1908) beruht. Fritz Kortner spielte im Stummfilm „Frau Sorge“, Zarah Leander in „Heimat“ (1933), der Verfilmung des gleichnamigen Romans aus dem Jahr 1893. Ein Verdienst der Stiftung, die heute von fünf Personen betrieben wird, ist die Offenlegung dieser Verbindungen Sudermanns, die kaum noch jemand kennt. So ist Hermann Sudermann heute fast unbekannt, obwohl noch viele seiner Bücher in Antiquariaten erhältlich sind. Auf der Website der Stiftung (Link s.o.) sind die Romane und entsprechenden Verfilmungen mit Regisseuren und Schauspielern aufgelistet.
Ich kauf mir ein Schloss
Ja, schön wär’s… Dass Schriftsteller sich Schlösser leisten können, kommt wohl eher selten vor. Hermann Sudermann konnte es, denn seine Bücher erreichten hohe Auflagen, die Dramen wurden aufgeführt und beachtet und von den Verfilmungen bekam er sicherlich Tantiemen. Später, als er sich mit dem Kritiker Alfred Kerr und anderen zerstritt, schwand sein Ruhm. Immerhin konnte er sich dann mit seinem Schloss trösten. Durch den verwunschenen Schlosspark war ich am Vortag schon einmal spaziert, im Abendlicht, während aus dem vermieteten Schloss fröhlicher Hochzeitslärm über dem Ort Blankensee erklang. Aber ich hörte auch das Knacken der Rinde uralter Bäume neben mir, das Rauschen der Kronen im Abendwind. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie Hermann Sudermann hier an seinen Ideen gefeilt hat, in der inspirierenden Bewegung eines gemessenen Spaziergangs, der die Gedanken in Gang bringt. „Frau Sorge“ hatte er längst veröffentlicht, als er das Schloss kaufte. Aber vielleicht dachte er bei einem Spaziergang durch seinen Park einmal an sein Frühwerk zurück? Und an die Armut, die er selbst genau wie sein Held Paul als Kind erlebt hatte.
Zurück zum Gedenkzimmer, das diverse Fotos von Sudermanns Schlossleben und seiner Familie bereithält und einige Ausgaben seiner Bücher aus verschiedenen Erscheinungsjahren und neben deutsch auch in anderen Sprachen. „Frau Sorge“, das ich bearbeitet habe, war auch dabei; ich bekam eine Ausgabe vom Geschäftsführer der Stiftung, Herrn Dr. Torsten Walter, geschenkt; außerdem „Der Katzensteg“, das ich noch nicht kenne und das allein fünfmal verfilmt wurde, zuletzt 1976. Nach der Bearbeitung von „Frau Sorge“ ist das Kapitel Sudermann für mich noch nicht abgeschlossen. Ich werde weitere Titel lesen, um mehr über diesen Schriftsteller zu erfahren. Bald war es Zeit für mich, zum Leseort zu kommen, dem Bauernmuseum mit Bauernschänke, in dessen Garten Ralf Plenz schon die „Perlen der Literatur“ aufgebaut hatte.
Buchvorstellung im Garten
Zu den Arbeitsbereichen von Schriftstellern gehört das Vorlesen, von einigen gefürchtet, von anderen geliebt. Von mir auf jeden Fall geliebt! Da ich als Vorleserin nur eine einzige Chance habe, den Text meinem Publikum näherzubringen, gehört eine intensive Vorbereitung für mich dazu. Ich lese erst still, dann flüsternd, dann laut. Wenn ich den Eindruck habe, dass es schon ganz gut läuft, nehme ich die Lesung auf und höre sie mir an. So höre ich, was verbesserungswürdig ist. Wenn die Aufnahme letztlich stimmt, hat sich der Rhythmus des Textes bei mir verinnerlicht.
Es war kein Selbstgänger, die Ausschnitte in der schönen alten Sprache einzulesen; wer mir über die Schulter geschaut hätte, hätte viele Ausrufezeichen (mein Symbol für „Stolperstellen“) und unterkringelte Stellen (mein Zeichen für „langsam und deutlich lesen“) gefunden, dazu diverse Pausen- und Atemzeichen. Zwar hatte ich den alten Text behutsam bearbeitet, aber weder den damals üblichen Satzbau noch die langen Sätze verändert. Vor allem hatte ich Füllwörter gelöscht und vielfach das Wörtchen „so“, dessen Fehlen nicht auffallen dürfte. Einmal eingelesen, ist es für mich eine Freude, mich in den Klang der Sprache und die märchenhafte Geschichte fallenzulassen. Aus dem Publikum gab es die Anmerkung, dass es leichter falle, sich mit der alten Sprache anzufreunden, wenn der Text vorgelesen wird. Darum freue ich mich, dass es den Podcast „Der Büchermacher“ gibt, den ich gemeinsam mit dem Verleger Ralf Plenz aufgenommen habe. Drei von vier Folgen zum Buch „Frau Sorge“ bestehen aus Lesungen daraus, die erste bringt ein Gespräch zwischen Ralf Plenz und mir über das Buch.
Die Perlenkette wird bald doppelreihig
„Frau Sorge“ ist die Nummer 37 in der Buchreihe „Perlen der Literatur“, die Ralf Plenz kurz vorstellte. 40 Bücher gibt es schon in der Perlenkette fürs Bücherregal, und mein Regalbord ist fast voll. Auch 2027 wird es weitere Titel geben, soviel ist klar. Am Büchertisch kamen wir mit einigen Gästen ins Gespräch, die sich neben der Buchreihe aus dem Input-Verlag auch für meine Lyrikbände aus dem Expeditions International Publishing House interessierten. Schließlich fachsimpelten wir bei köstlichem Essen in der Bauernschänke weiter über den „Balzac des Ostens“ genannten Hermann Sudermann, der zwar ein schwieriger Zeitgenosse gewesen sein soll, seinen Ruhm aber auch für andere einsetzte, da ihm die harte Lebensrealität Schreibender sehr bewusst war. Denn er konnte nur unter schweren Bedingungen seine Berufung zum Schreiben verwirklichen, kam er doch aus armen Verhältnissen. Eigentlich sollte, da er diese Zeiten nie vergessen hat, sein Schloss nach seinem Tod ein Schriftstellerheim für kranke und notleidende Kollegen werden, was jedoch durch den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Teilung unmöglich wurde. Trotzdem unterstützt die Stiftung seit 1955 diesen Personenkreis, zunächst durch Autorenspenden und seit 2013 mit dem Hermann-Sudermann-Preis für Dramatiker.
Nach dieser inspirierenden Runde mit Karen Sokoll und Dr. Torsten Walter von der Stiftung, Ralf Plenz vom Input-Verlag und seiner Frau und auch im Verlag tätigen Übersetzerin Ulrike Lemke, Petra Klingl vom Rotkiefer-Verlag Berlin, die als Gast unsere Runde bereicherte, ging der Tag des offenen Denkmals in Blankensee zu Ende. Diese Begegnungen wirken noch nach und ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement. Das Thema Sudermann ist für mich noch nicht vorbei.
Impressionen aus Blankensee
Hermann Sudermann und ichHermann Sudermanns BibliothekRalf Plenz (li.) und Dr. Torsten Walter Plakat der StiftungUriges AmbienteAufmerksame GästeSchlosspark BlankenseeMein wunderschöner Blumenstrauß von der Stiftung steht jetzt zu Hause auf dem Tisch
Am Wochenende sehe ich endlich Hermann Sudermanns Schloss Blankensee! Nachdem ich mich eingehend mit diesem Schriftsteller beschäftigt habe, freue ich mich sehr darauf, das Gedenkzimmer zu sehen. Noch dazu darf ich gemeinsam mit Ralf Plenz in Blankensee aus „Frau Sorge“ lesen.
Das habe ich oft gedacht bei der Bearbeitung des Romans „Frau Sorge“ von Hermann Sudermann (1857-1928), einem ostpreußischen Schriftsteller. Dieses frühe Werk kreist um das Märchen von der Frau Sorge. Diese graue Frau legt ihren Schatten auf Elsbeth Meyhöfer und ihre Familie, besonders auf den Sohn Paul. Der ist der Held in der Geschichte und hat eine Reihe schwerer Aufgaben zu bewältigen.
Hatte ich mal Angst vor Podcasts?
Als Ralf Plenz mich vor einigen Jahren fragte, ob ich einen Podcast mit ihm aufnehmen möge, wehrte ich erschrocken hab. Vorlesen oder vortragen ist das eine, aber frei sprechen das ganz andere. Bin ich schlagfertig? Nein. Wenn man mich überrumpelt, falle ich eher in eine Schockstarre. Am nächsten Morgen habe ich aber ganz spontan eine smarte Antwort parat!
Podcasts mit Ralf sind mittlerweile etwas Wunderbares für mich. Gestern war es wieder soweit, ich fuhr nach Hamburg zum Input-Verlag, um vier Podcast-Folgen über „Frau Sorge“ aufzunehmen. Die erste besteht aus einem Gespräch zwischen Ralf und mir über das Buch und den Autor, die weiteren drei sind Lesungen aus dem Buch. Die erste Folge ist schon veröffentlicht: https://podcast000572.podigee.io/355-sorge1 Die weiteren Folgen kommen in den nächsten drei Wochen jeweils am Dienstagmorgen. Der Podcast heißt „Der Büchermacher“ und kann überall gestreamt werden, wo es Podcasts gibt.
Lesung in Blankensee
Und am 13. September um 17 Uhr stellen wir „Frau Sorge“ am Bauernmuseum Blankensee vor (bei Regen in der nahegelegenen Kirche). Sudermann gehörte das Schloss Blankensee, hier schrieb er viele seine Werke. Wir freuen uns über die Einladung der Hermann Sudermann Gesellschaft!
Seit vielen Jahren verbindet mich eine Freundschaft mit der Künstlerin Hanna Malzahn. Illustration, Malerei, Fotografie und Druckkunst sind ihre Tätigkeitsfelder. Ich habe zu ihren Bildern Gedichte geschrieben und wir haben schon vorher bemerkt, dass wir thematische Überschneidungen in unseren Arbeiten haben. So ist das urbane Leben für uns beiden inspirierend, und unsere Werke fanden fast von allein zusammen. Unser gemeinsames Buch „Träume geistern entfesselt durch Straßen“ gibt es als Bild- und Wortband nur bei uns, nicht im Buchhandel.
(c) Hanna Malzahn(c) AJPhotoArt Hamburg(c) AJPhotoArt Hamburg(c) Hanna Malzahn
Mein bester Freund Thomas Styhn, seines Zeichens Gitarrist und Komponist, komponierte und arrangierte ein Musikvideo zu meinem Buch „Töne, metallen, trägt der Fluss – eine lyrische Elbreise“, das ich zur Coronazeit in eine Onlinelesung einbaute. Auch andere Kooperationen zwischen mir und Malern/Musikern spielen für das Buch eine Rolle, aber Thomas, sein Freund Henrik Althaus (Keyboard/Flügel) und ich haben jetzt die besondere Situation, dass wir in Hamburg-Niendorf live lesen und spielen. Denn Hanna lud uns zur Vernissage einer Ausstellung ein, die sie zusammen mit ihrer Freundin AJPhotoArt aus Hamburg durchführt. Wir freuen uns alle sehr auf diesen Abend und heißen euch herzlich willkommen.
Es ist besonders für mich, dass wir den Song, den Thomas zu meinem Gedicht „Elbabend“ komponiert hat, live mit dem Gedicht zusammenbringen. Es ist auch besonders für mich, dass ich Thomas und Henrik mit ihrem Talent, stimmig und berührend Atmosphären der Bilder aufzufangen und mit Tönen fortzuführen, meine Texte zur Seite stellen darf. Und natürlich ist es wieder einmal eine Freude für mich, mit Hanna eine Veranstaltung zu haben und für einen Abend Teil dieser faszinierenden Fotowelt von AJPhotoArt und ihr sein zu dürfen.
„Hamburg Impressionen“: unter diesem Motto zeigen die Hamburger Fotokünstlerinnen AJ PhotoArt und Hanna Malzahn ihre Werke Die beiden Hamburger Künstlerinnen Hanna Malzahn und AJ PhotoArt präsentieren einen vielfältigen Spaziergang durch ihre Heimatstadt, unter dem Motto Hamburg-Impressionen. Die zentralen Werkzeuge beider Fotografinnen sind Licht, Schatten, Komposition und Atmosphäre, die in den stimmungsvollen Aufnahmen eingefangen wurden. (Berenberg-Gossler-Haus)
Letzte Chance auch, um ein Exemplar der Restauflage des Buchs zu ergattern – bevor es demnächst neu erscheinen wird; dann mit Multimediakomponente. Lasst euch überraschen.
an einem Sommerabend in meiner neuen Wohnung in Stade, dem Sehnsuchts- und Schreibort auf Zeit der letzten zehn Jahre und der Ort, in dem ich aufgewachsen bin, sitze ich gerade auf dem Balkon und schreibe diese Zeilen. In einer privat bis zur Schmerzgrenze belastenden Zeit gab es in diesem turbulenten Jahr 2025 bislang kaum Zeit zum Schreiben oder um mich den literarischen Projekten zuzuwenden. Langsam ordnet sich mein Leben neu und ich finde wieder Worte.
Meine Website habe ich optisch leicht umgestaltet mit einer anderen Farbgebung und moderneren Schrift. Im Menü findet ihr die Bereiche „Poesie“ und „Sachbuch“ jetzt unter dem Oberbegriff „Bücher“. Unter diesem Begriff gibt es jetzt einen neuen Bereich „Kooperationen“, in dem ich euch Projekte vorstellen möchte, an denen ich mitgewirkt habe, die jedoch nicht von mir geschriebene Bücher beinhalten. Das erste Projekt ist eine „Perle der Literatur“, unten seht ihr den Link und habt schon die letzten beiden Blogbeiträge dazu gelesen.
Das Aufmachen eines neuen Bereichs hat sich insofern gelohnt, als das Buch über Hilda van Suylenburg nicht das einzige gemeinsame Projekt mit dem Input-Verlag bleiben wird…
Ein Lektorat lebt vom Austausch zwischen Lektorin und Autorin – die eine unterbreitet Vorschläge, die andere nimmt an oder lehnt ab, nicht selten diskutieren beide miteinander. Das gibt beiden Seiten Sicherheit und stärkt im besten Fall den Text. Jedenfalls habe ich es bislang mit meiner Kundschaft so erlebt. Zum ersten Mal hatte ich mit dem Buch „Frauen, die den Ruf vernommen …“ (Originaltitel: Hilda van Suylenburg) der niederländischen Schriftstellerin Cécile de Jong van Beek en Donk (1866-1944) einen Text vor mir, den ich ohne dieses Miteinander, ohne den konstruktiven Dialog, die manchmal harten Diskussionen bearbeiten sollte und durfte. Dafür hatte ich mir den ganzen Februar nahezu freigeräumt, um in Ruhe und Stille mit Cécile gewissermaßen in einen imaginären Austausch zu gehen, mit Pausen arbeiten zu können, vielleicht auch in weitere Texte aus ihrer Feder hineinzulesen und mich mit ihrem Leben zu beschäftigen.
Die Welt aus den Fugen
Dann stürzte mein Mann am 31. Januar und schlug hart mit dem Kopf auf den Bordstein. Der Anruf erreichte mich in Stade im Parkhaus. Ich musste erst mal zu meinem besten Freund fahren, um in die Lage zu kommen, nach Hamburg zu fahren. Er und seine Frau sorgten dafür, dass ich ein Brot aß und ein Glas Wasser trank, während ich mich durch die Intensivstation telefonierte. Dann fuhr ich nach Hamburg und dort brachte mich ein guter Freund ins Krankenhaus. Mein Mann war nicht ansprechbar, was sich in den nächsten Tagen langsam verbesserte.
Meine Welt war aus den Fugen, aber ich wollte unbedingt diesen Text lektorieren und mir war klar, dass mein Mann das auch wollte und selbst seine musikalische und malerische Arbeit immer unter jeden Umständen wahrgenommen hat. Wie oft hat mich Arbeit schon in schweren Lebensphasen gerettet, mir Struktur gegeben, mich innerlich aufgebaut, mich abgelenkt vom Grübeln. So lebte ich im Februar zwei Leben: Tagsüber kämpfte ich den jeden Morgen neu beginnenden Kampf mit Pflegegradeinstufung, Kurzzeitpflegeplatz, Informationsbeschaffung, Ungewissheiten und Grübeleien und versuchte, all das von meinem Mann fernzuhalten. Abends setzte ich mich mit einem großen Becher Tee in meinen Sessel und vertiefte mich in das Buch.
Sulamith Sommerfeld, Maren Schönfeld, Thomas Dunse; Foto: Laura Dunse
Der Herbst ist nun da und mit dem Ende der Sommerpause gehen auch die Lesungen wieder los. Im Oktober freue ich mich auf die gemeinsame Lesung „Lyrik im Contor“ mit Sulamith Sommerfeld und Thomas Dunse am 25.10. in Stade mit demselben Programm wie schon im Februar. Auch dieser zweite Termin ist fast ausgebucht! Restkarten sind noch in der Buchhandlung Contor in Stade zu bekommen. Für Detailinfos schaut bitte auf meine Lesungs-Seite.
Der wunderschöne Ringbuch-Kalender der Hamburger Autorenvereinigung ist nun erschienen. Ich bin begeistert über das Format mit großzügigem Schreibplatz und mit vielen Geschichten und Gedichten der Kolleginnen und Kollegen aus der HAV. Am 29.10. werden wir daraus vorlesen und freuen uns auf zahlreiche Gäste. Den Kalender kann man sogar käuflich erwerben, jedoch nicht im Buchhandel, sondern ausschließlich direkt bei der HAV.
Ich freue mich auf ein Wiedersehen bei einer der Lesungen!
Um die Mittagszeit gab es gerade noch einen freien Parkplatz vor der Eulsete-Halle, dabei hatte ich befürchtet, dass vielleicht kaum jemand Interesse an der Buchmesse in dem kleinen Ort bei Stade zeigen könnte. Weit gefehlt – beim Rundgang gab es vor einigen Ständen „Stau“, die angeregten Gespräche zwischen Besuchern und Ausstellern dauerten einige Zeit und die Wartenden zeigten sich geduldig. Die Messe, die unter dem Motto … fair geht vor von Manuela und Uwe Kowald veranstaltet wurde, fand zum ersten Mal in Himmelpforten statt. Rund 25 Aussteller teilten sich die Halle mit einem Bücherflohmarkt, was offensichtlich ein gutes Konzept war, wobei am ersten Tag des Messewochenendes 27./28. April mehr Gäste an den Ständen zu finden waren als im Flohmarktbereich. Die Bezeichnung „alternative Buchmesse“ weckt in den älteren Semestern von uns eher Assoziationen zur alternativen Szene der 1980er Jahre; aber weit gefehlt: In diesem Fall ging es um alternative Publikationsmöglichkeiten für Schriftsteller, die im so genannten ersten Buchmarkt kaum eine Chance bekommen. In einem Markt, der hauptsächlich von Übersetzungen lebt und fast keinen Raum für Neuerscheinungen hat, sind neue Schriftstellerinnen harten Bedingungen ausgesetzt. Als das Selfpublishing aufkam, damals noch verachtet und verpönt von denen, die „es geschafft“ hatten, in einem größeren Verlag unterzukommen, kämpften die schreibenden Pioniere um einen Platz in der Welt der zu Papier gebrachten Gedichte und Geschichten, die ihren Weg zu Lesefreudigen finden sollten. Und was soll man sagen: Gut 20 Jahre später ist es kein Platz, sondern ein eigener Markt, der sich still und leise neben dem etablierten Buchmarkt, beherrscht von großen Verlagen, aufgestellt hat. Und der so viel Druck auf den „ersten Buchmarkt“ ausgeübt hat, dass es jetzt in Leipzig und Frankfurt am Main Selfpublisher-Areas auf den Buchmessen gibt. Sicherlich hängt die Qualität der Texte nicht zuletzt davon ab, ob sich die Verfasser ein Lektorat geleistet haben; Leser sind trotzdem zu finden. Und wer es als Selfpublisher schafft, sich einen Leserkreis zu erarbeiten, hat sich tief ins Marketing eingearbeitet. Denn die besten Texte kommen nur dann unter Leute, wenn die richtigen Werbemaßnahmen sie in die Welt bringen.
Präsentationen, mit Liebe gemacht
Zunächst beeindruckt, mit welcher Liebe zum Detail und mit welch großer Sorgfalt die kleinen Verlage und Selfpublisher ihre Stände ausgerichtet haben. Fast alle haben nicht nur Bücher, sondern auch Lesezeichen, Flyer, Leseproben und sogar bedruckte kleine Leinenbeutel mit dem entsprechenden Buchcover dabei und ansprechend aufgebaut. Für einen Titel, bei dem es um Schokoladentaler geht, sind goldglänzende Schokotaler auf schwarzem Samt ausgestreut; Farben, die sich im Buchcover widerspiegeln.