Archiv der Kategorie: Gedanken, Reisen

Der Sommer ist ja gerne mal verregnet …

… im Norden. So wie im letzten Jahr, als es so grau war, dass alle Welt sofort weite Reisen für den Sommer dieses Jahres buchte und den grauen Sommer nur mittels Freude auf die Sommerreise überstand. All diese Menschen müssen nun zum Flughafen fahren, dort lange auf das Boarding warten und auf engen Sitzen ohne Beinfreiheit in den Süden fliegen, wo es nicht so heiß ist. Ja, genau: nicht so heiß. Dieses Jahr fliegt man nicht in den Süden, um der Kälte zu entkommen, sondern um sich abzukühlen im wohltemperierten Ballermann-Areal. Während das arbeitende oder zu Hause urlaubende Volk bei mehr als 35 Grad nicht mehr im Badesee Abkühlung suchen kann, weil sich da unkontrolliert die Blaualgen vermehren. Die Hände auf der Tastatur, die Füße im kühlenden Wasserbad unterm Schreibtisch, versuche ich so schnell zu schreiben, dass meine Finger nicht festkleben. Das Telefon klingelt – ach Mist, das liegt auf der Fensterbank. Raus aus der Schüssel mit den Füßen, über den Boden glitschen, sich gerade noch abfangen und das runterfallende Telefon greifen. Da ist das Gespräch schon wieder weg. Stirn abwischen, der kleine Sprint war ja nicht ohne. Mal das Fenster öffnen? Nee, lieber nicht … kommt nur heiße Luft rein. Heiße Luft ist auch alles, was sich in meinem Kopf befindet. Die Hitze vernebelt mir das Hirn. Für mich wird es immer dann kritisch, wenn ich nicht mehr lüften kann. Also, wenn ich das Fenster öffne und keine frische Luft hereinkommt, sei es, weil gerade ein Stau vor der Tür ist und die Abgase nach oben steigen (wahlweise ersetzbar durch unter dem Fenster stehende Raucher oder Kiffer) oder weil es wärmer ist als drinnen. Dann schaltet mein Körper um. Bei Wärme auf Sommerschlaf. Dann kann ich nicht mehr denken.

Gerade sah ich einen Post in einem bekannten sozialen Netzwerk. Eine Kollegin ist gerade in Kuala Lumpur, Malaysia, und schrieb über ihre Freude, dort zu sein. Es sei nämlich nur wenige Grade wärmer als in Hamburg, die Räume seien jedoch alle gut klimatisiert. Ich glaube, ich sollte meine Reisepläne noch mal überdenken.

Nachlese Leipzig

Das war sie schon wieder, die Buchmesse!

Samstag hatten wir einen Tag im Hotel, während draußen der Schnee rieselte, rieselte, rieselte … nachmittags rutschten wir mit zwei Bassgitarren, Verstärker, Geräten, Kabeln und Koffer mit Büchern und CDs im Gepäck mit dem Auto zum Gohliser Schlösschen.

Zunächst stellte die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik unter der Leitung von Ralph Grüneberger die aktuellen Exemplare „Steinbrech“ und „Vom Glück“ der Lyrikzeitschrift „Poesiealbum neu vor. Es lasen mit mir Patricia Falkenburg, Heidrun Stödtler, Joachim Gräber und Andreas Reimann, der mit dem Poesiealbum neu-Lyrikpreis ausgezeichnet wurde (s. geteilten Beitrag vom 18.3.18). Wolfgang CG Schönfeld spielte seine Kompositionen und improvisierte am Solo-Bass.

Um 21 Uhr schloss der Leseabend mit der traditionellen Wiesenburg-Lesung, die von Susanne Leiste-Bruhn und ihrem neuen Buch „Seezeichen“ und von mir gestaltet wurde. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse, einem gesperrten Hauptbahnhof und nicht mehr fahrenden Bahnen hatten sich einige interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer eingefunden und für eine angenehme und positive Atmosphäre gesorgt.

(Fotos: Wolfgang Schönfeld)

Es waren schöne Tage, vielen Dank an alle Mitwirkenden und ganz besonders an den Wiesenburg Verlag!

Tag 2 in Leipzig

Wir sind komplett eingeschneit! Und es rieselt und rieselt unermüdlich weiter …

Tag 2 auf der Messe war irrsinnig voll, aber ich habe trotzdem meine Runden durch die Hallen 2 und 4 geschafft und ein gutes Gespräch mit dem Gabal-Verlag über mein Sachbuchmanuskript geführt.

Beim elbaol verlag habe ich sogar ein Buch gewonnen! Und wurde von Ellen Balsewitsch-Oldach und Dirk-Uwe Becker mit Mineralwasser versorgt.

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Tag 1 Leipziger Buchmesse

Wie schön, wieder mal hier zu sein!

Heute habe ich als erstes die Hallen 3 und 5 besucht und den ersten Teil meines Laufplans abgearbeitet.

Natürlich galt mein erster Besuch dem Wiesenburg Verlag und meinem neuen Buch „Töne, metallen, trägt der Fluss“. Große Wiedersehensfreude mit Thomas und Werner Schmid! Ebenfalls Wiedersehensfreude gab es bei Franz Westner vom Salon Literaturverlag, der auch ganz außergewöhnlich schöne Lyrikbände in einem außergewöhnlichen Format präsentiert, aber auch Romane und andere Titel im Programm hat.

Beim Echter-Verlag war keine Lyrik ausgestellt und so konnte ich nicht schauen, ob meine Engel-Gedichte aktuell ins Programm passen. Leider war auch kein Verlagsmitarbeiter dort, aber ein anderer Herr vom christlichen Gemeinschaftsstand schenkte mir zum Trost ein TeDeum und ein Jacobsweg-Pilgernotizbuch. Danke!

Für die weitere Poesie streifte ich durch die Gänge mit weiteren kleineren Verlagen, besuchte den Poetenladen und kaufte die aktuelle „Poetin“.

BoD war wie immer gut besucht und ich wurde sehr freundlich darüber beraten, wie ich aus meinem ersten Lyrikband „mit einem Rosendorn“, 2005 als Taschenbuch erschienen, ein Hardcover machen kann. Dazu bekam ich noch ein Notizbuch geschenkt. Also auch herzlichen Dank an Books on Demand!

Beim Kelter Verlag habe ich zum zweiten Mal „meine“ Redakteurin nicht getroffen, aber jetzt habe ich eine Einladung für Hamburg! Danke also an das Verlagsteam, ich komme bestimmt demnächst einmal vorbei und löse die Einladung zum Kaffee ein.

„Wir machen Druck“ vergab großzügig Taschen mit Goodies und tatsächlich gibt es dort interessante Angebote für Werbematerial wie Postkarten. Immer interessant für mich,  weil ich an eine neue Edition Lyrikpostkarten mit meinen Gedichten denke. Geht mal vorbei dort, es gibt neben einer Dose Apfelschorle (die man wirklich gut gebrauchen kann in der trockenen Messeluft!) einen Flyer, ein Lesezeichen, den Klebezettelblock „analoger USB-Stick“ und eine frischgrüne große Tüte, die mir heute sehr gute Dienste geleistet hat … Vielen Dank!

Beim „Selfpublisher“ habe ich gleich ein reduziertes Jahresabo bestellt und das aktuelle Exemplar mitbekommen. Herumstreifend entdeckte ich den Scribo-Verlag, der ansprechende kleine quadratische Büchlein herstellt, die sich sowohl für Kurzprosa als auch für Gedichte eignen. Einmalig sind auch kleine Lesemagnete, an denen ich nicht vorbei kam, ohne zwei zu kaufen (als Lesezeichen).

Habe ich beim „Verlag für die Frau“ einen Heimvorteil als weibliches Wesen? Nö! Der Name ist uralt, es sind auch männliche Autoren willkommen – trotzdem ist der Verlag bereit, mein Manuskript „Mit Handicap zum Erfolg“ anzuschauen.

Und natürlich war ich bei der Arno Schmidt-Stiftung und las ein paar Zeilen aus Zettels Traum …

Alles in allem ein erfolgreicher, spannender und fröhlicher Tag, den ich mit meinem Brixener Lyrikfreund Gontran Peer bei einem anständigen Kuchenbüfett beschloss.

Morgen geht es noch mal los in Hallen 2 und 4 und natürlich einmal durch die Glashalle.

Hotel Edelweiss: Advent im Schnee am Silsersee

Außenansicht, Detail
(c) Hotel Edelweiss, Sils-Maria

Echte Winterromantik in der Vorweihnachtszeit muss man suchen – fündig wird man in Sils-Maria auf 1.800 Metern bei St. Moritz auf der Oberengadiner Seenplatte. Wo einst Nietzsche „sommerfrisch“ philosophierte, holen sich heute Winterromantiker neue Inspirationen im Schnee. Neben dem denkmalgeschützten Hotel steht das Nietzsche-Haus, wo der von Geldknappheit geplagte Dichter und Denker zeitweise ein ungeheiztes Zimmer gemietet hatte. Manchmal dinierte er im Jugendstil-Speisesaal des Hotels Edelweiss. Die Farbgebung der Außenfassade ist nach mühevoller Recherche und liebevoller Detailarbeit originalgetreu wiederhergestellt worden. Die Innenräume ziert das in der Region stark vertretene Zirbenholz, das eine gemütliche und warme Atmosphäre verleiht und sogar positive Wirkung auf die Gesundheit haben soll.

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Das Perlmutt-Mädchen

Permutt ist zum Niederknien schön. Nadja sammelt es und verliert sich in den kleinen Landschaften, Kratern, Sonnen. Nadja zerträumt Stunden, den Schoß voller Perlmutt. Sie ist Prinzessin, Fee, streift durch den Mondwald und prescht auf ihrem Schimmel über den Strand. Sie küsst Frösche, die sich in alles Mögliche verwandeln, hüllt sich in Kleider aus fein-ster Seide und isst zarte Pralinen mit göttlicher Schokolade. Nadja atmet tief ein. Die Perlmuttstücke klackern leise in ihrer Hand. Leider ist doch nur Montag.

Leiser Dialog in Worpswede

Jugendstilfassade des Barkenhoffs, Foto: Walter Nitschkke, (c) anSICHTEN Verlag Bremen, 1999

Mit dem Betreten des Raumes setzt schlagartig Stille ein. Wie auf einer Zeitreise finde ich mich vor seinem Schreibtisch, eher ein Sekretär, sehe Tintenfass, Füllhalter und Briefpapier, einen Stapel Briefe, der auf Beantwortung wartet. Nur ein Stuhl, sonst keine Möbel in dem kleinen Zimmer. Den Sekretär vor eines der Erkerfenster gerückt, ein Raum für das Sehen nach außen, ins Grün, und nach innen. Kein Gegenstand, kein Zierrat lenkt ab.

Im August angekommen und wegen seines Aufzugs Aufsehen erregt: Von den Russlandreisen hatte er die Kleidung mitgebracht, trug das Hemd über der Hose. Nach der intensiven Nähe zu Lou wartete nun Stille auf ihn.
„Weiß, weiße Türen, Vasen darüber gemalt, aus denen Rosenketten sanft zu beiden Seiten fallen“, so beschrieb er den Salon, in dem sich die Künstler trafen. Es ist Trost, nach der Trennung von Lou in eine Gemeinschaft zu kommen, in der er nicht Gefolge, sondern um seiner selbst willen willkommen ist. Bei seinem ersten Besuch war ihm die Landschaft noch unheimlich gewesen, das Moor mit seinen aufsteigenden Nebeln, das manchmal überirdisch wirkende Licht.
Ich bringe es nicht fertig, mich zu setzen, obwohl ich allein im Zimmer bin. An sein Stehpult hätte ich mich vielleicht stellen, ein wenig anlehnen können. Aber das Pult fehlt, ausgerechnet das, von dessen Sorte es an jedem seiner Aufenthaltsorte ein Exemplar gegeben hat.
Aber steht er nicht eben hinter mir, neben mir, schweigend den Blick aus dem Fenster gerichtet? Nur im Schweigen, im Warten kommen Gedichte. Man kann sie nicht zwingen, ihnen nur die Pforte öffnen, indem man sich in Einsamkeit begibt.
Das Erkerzimmer ist schlicht, unverziert, Holz und beigefarbene Wände, weiße Fenster mit Blick in den Park, in dem das Haus sich verliert. Er ist Gast und wird Gast bleiben, zeitlebens und allerorten. Die Suche nach Heimat endet bei ihm selbst. Er trägt die Einsamkeit zu den Menschen, die er bald nur noch aus der Ferne lieben kann, lieben will. Nichts darf die Worte in ihm stören. Die „Große Arbeit“ ist sein Lebensziel und -zweck.
Ich spüre ihn hinter mir auf und ab gehen, seine Verse laut aufsagen. Die Haushälterin erschrak vor ihm, weil sie dachte, der seltsam gekleidete, zierliche Mann mit dem durchdringenden Blick bete unentwegt.
Wo er damals durch den Garten wanderte, schieben sich jetzt einzelne Gruppen aus dem Reisebus die schmalen Wege entlang, mit lauten Gesprächen. Er zöge sich lieber in sein Zimmer zurück, ihm wurden Gesellschaften schnell zu viel. Das ist vielleicht noch mehr Bindeglied zwischen uns als seine Themen und seine ungeheure Sprachfähigkeit: Diese Sehnsucht nach Einsamkeit und die Überzeugung, das alles in uns ist, wir ihm nur Raum geben, es hören müssen. Ich war in Prag auf seinen Spuren, habe in Westerwede vor dem Haus gestanden, das nach dem Brand und Abriss des alten Hauses gebaut wurde. Heimat, in dem alten Haus, für ihn und seine kleine Familie nur für ein gutes Jahr. Später noch einmal der Barkenhoff, als die Zeichen der Auflösung schon überdeutlich waren.

Wir stehen gemeinsam in diesem Zimmer und richten den Blick nach innen.

Das ist die Sehnsucht: Wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: Leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.*

Schritte nähern sich, ich wehre mich vergeblich.
„Ach, und das hier war das Zimmer von dem… wie hieß er noch gleich?“
Ich wende mich um. Der Raum füllt sich mit Wörtern, Belanglosigkeiten. Ich bin allein.

*(Rilke, Rainer Maria: Mir zur Feier, 1909)

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Verreisen mit Handicap

Das Kunstforum der GEDOK Hamburg ist barrierefrei!
Das Kunstforum der GEDOK Hamburg ist barrierefrei!

Das kenne ich aus eigener Erfahrung: Ferienwohnungen sind oft im ersten Stock, und als „barrierefrei“ ausgewiesene Räume haben dann doch „nur zwei kleine Stufen“ – für mich als Gehbehinderte und Teilzeit-Rollstuhlfahrerin eine schwierige Situation. Oft ist auch gar nichts angegeben bei der Ausschreibung des Feriendomizils.

Marita Weber-Hagel hat zu diesem Thema einen sehr brauchbaren Artikel geschrieben. Sie ist meine Kollegin aus der Auswärtigen Presse, aber wir kennen uns (leider) noch nicht persönlich.

Hier geht es zum Artikel:

http://die-auswaertige-presse.de/2016/10/endlich-dabei-urlaub-ohne-handicap/

Wenn Ihr Tipps für das Verreisen mit Handicap habt, schreibt mir doch gern einen Kommentar! Danke!

Auch Kunstgalerien oder Leseorte sind häufig nicht barrierefrei zu erreichen. Eine rühmliche Ausnahme bietet das Kunstforum der GEDOK in Hamburg, Koppel 66.

(Foto: Günther von der Kammer)

Reisefieber

Pia sucht die große Welt. Auf der Jagd nach Leben nimmt sie an einer Safari teil, sieht Löwen und Zebras. Anschließend unternimmt sie eine Weltreise auf einem Kreuzfahrtschiff. Der Kapitän ist sympathisch, sie verliebt sich ein bisschen in ihn, doch er gibt sich unnahbar. Pia genießt jeden Landgang und sucht sich überall das schönste Souvenir aus. Bald darauf fliegt sie nach Australien und lernt eine Menge über Koala-Bären und Kängurus. Ein gut gebauter, braungebrannter Tierexperte er­klärt alles. Sie kann ihn gut leiden, aber er beachtet sie nicht. Bald hat sie die ganze Welt gesehen. Es ist spät. Sie schaltet den Fernseher ab.