Schlagwort-Archive: Insel-Verlag

Tag 4 – Ein Brief auf blauem Papier

Dieser Tag geht in meine persönliche Geschichtsschreibung ein, denn ich habe heute zum ersten Mal ein Original von Rainer Maria Rilke in den Händen gehalten: den Brief an Erika Mitterer, elfte Antwort genannt, aus deren Briefwechsel. Dunkelblaue oder blassschwarze Tinte und in Sütterlin-artiger Handschrift verfasst, enthält er einen Gedichtzyklus aus vier Gedichten, die durch einen privaten Einschub unterbrochen sind, nach dem ersten Gedicht. Ich habe diesen Einschub transkribiert und später mit einer Version aus dem Internet verglichen; ich hatte nur drei Fehler gemacht. Meine Lesekompetenz wird täglich besser und mir raucht auch nicht mehr ganz so stark der Kopf…

Mit Schreibmaschine verfasst ist der Verlagsvertrag zwischen Rilke und dem Insel-Verlag über die Duineser Elegien. Auflage: 9.900! Davon 900 nicht honorarfähig, weil als Frei- und Rezensionsexemplare vorgesehen. Was für Zahlen! Er war schon damals ein Star. Eine Vorschussvereinbarung enthält der Vertrag nicht, aber es ist hinlänglich bekannt, dass der Verlag seinem Lieblingsautor großzügig mit Vorschüssen aus der Klemme half. Die zehnjährige Wartezeit auf die Komplettierung der Duineser Elegien hat sich für den Verlag auf jeden Fall gelohnt mit einer mehr als hundertjährigen Verkaufsphase.

Auch mit den Elegien hat ein Aufsatz von Hans-Jost Frey aus dem Jahr 1963 zu tun, den ich am Nachmittag zu lesen begonnen habe. Er befasst sich mit Rilkes Blick auf die Dinge und mit seinen Figuren. Dies im Rahmen einer Rezension zweier Bücher, von denen ich eines unbedingt brauche. Hatte ich schon erwähnt, dass meine Literaturliste täglich länger wird? Also nicht nur die Quellenliste, sondern auch die Einkaufsliste…

Das Panoramafoto habe ich am Aussichtspunkt des Lenauwegs (links) aufgenommen