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Tag des offenen Denkmals in Blankensee

Eigentlich finde ich lange Autofahrten eher anstrengend. Aber die Fahrt nach Trebbin in Brandenburg war mit dem weiten Blick auf mindestens 50 Schattierungen von Grün so entspannend, dass die Anstrengung schnell vergessen war. Ohnehin mag ich es, mit guter Musik allein durch die Landschaft zu fahren und meinen Gedanken nachzuhängen. In diesem Fall freute ich mich darauf, das Schloss Blankensee nebst Park zu entdecken, das seit 1897 die Sommerresidenz des ostpreußischen Dramatikers und Schriftstellers Hermann Sudermann (1857-1928) war. Zunächst hatte er es gepachtet, wenige Jahre später gekauft. In die Schaffensphase als Schlossherr fiel sein beachtetes Buch „Litauische Geschichten“.

Marlene Dietrich wurde mit Sudermanns Stoff berühmt

Am Tag des offenen Denkmals, 13. September 2026, war es endlich soweit, dass ich den ersehnten Blick ins Gedenkzimmer des Schlosses werfen konnte, das im Andenken an den Dramatiker und Schriftsteller von der Hermann Sudermann Stiftung eingerichtet wurde und unterhalten wird. Man kann es bei Führungen oder eben am Tag des Denkmals besichtigen. Die große Treppe mit den verschieden hohen Stufen zu überwinden, war allerdings eine Herausforderung. Aber dann saß ich auf einem Klavierhocker mitten im Zimmer und ließ die Bilder und Gegenstände aus seinem Leben auf mich wirken. Ein besonderer Moment, nachdem ich mich sehr intensiv mit ihm und seinem frühen Roman „Frau Sorge“ befasst hatte. Seine Bibliotheksvitrinen sind original erhalten, mit alten Büchern, Geschirr und einer Büste von ihm sowie durch verschiedene Ausgaben seiner eigenen Titel ergänzt worden, auch in anderen Sprachen. Heute ist Hermann Sudermann kaum noch bekannt, aber zu seiner Zeit war er ein berühmter Mann. Seine Dramen und Geschichten wurden vielfach verfilmt, Namen wie Marlene Dietrich stehen mit seinen Werken in Verbindung. Leider wird er als Verfasser der ideengebenden literarischen Texte kaum genannt. Wie auf der Website der Hermann Sudermann Stiftung zu lesen ist, wurden Werke von ihm zwischen 1913 und 1982 rund vierzigmal verfilmt! Mehr dazu finden Sie hier: Verfilmungen von Sudermanns Geschichten

Über die berühmten Namen habe ich wahrhaftig gestaunt. Marlene Dietrich wurde mit dem Film „Song of Songs“ (1933) berühmt, der auf dem Roman „Das Hohe Lied“ (1908) beruht. Fritz Kortner spielte im Stummfilm „Frau Sorge“, Zarah Leander in „Heimat“ (1933), der Verfilmung des gleichnamigen Romans aus dem Jahr 1893. Ein Verdienst der Stiftung, die heute von fünf Personen betrieben wird, ist die Offenlegung dieser Verbindungen Sudermanns, die kaum noch jemand kennt. So ist Hermann Sudermann heute fast unbekannt, obwohl noch viele seiner Bücher in Antiquariaten erhältlich sind. Auf der Website der Stiftung (Link s.o.) sind die Romane und entsprechenden Verfilmungen mit Regisseuren und Schauspielern aufgelistet.

Ich kauf mir ein Schloss

Ja, schön wär’s… Dass Schriftsteller sich Schlösser leisten können, kommt wohl eher selten vor. Hermann Sudermann konnte es, denn seine Bücher erreichten hohe Auflagen, die Dramen wurden aufgeführt und beachtet und von den Verfilmungen bekam er sicherlich Tantiemen. Später, als er sich mit dem Kritiker Alfred Kerr und anderen zerstritt, schwand sein Ruhm. Immerhin konnte er sich dann mit seinem Schloss trösten. Durch den verwunschenen Schlosspark war ich am Vortag schon einmal spaziert, im Abendlicht, während aus dem vermieteten Schloss fröhlicher Hochzeitslärm über dem Ort Blankensee erklang. Aber ich hörte auch das Knacken der Rinde uralter Bäume neben mir, das Rauschen der Kronen im Abendwind. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie Hermann Sudermann hier an seinen Ideen gefeilt hat, in der inspirierenden Bewegung eines gemessenen Spaziergangs, der die Gedanken in Gang bringt. „Frau Sorge“ hatte er längst veröffentlicht, als er das Schloss kaufte. Aber vielleicht dachte er bei einem Spaziergang durch seinen Park einmal an sein Frühwerk zurück? Und an die Armut, die er selbst genau wie sein Held Paul als Kind erlebt hatte.

Zurück zum Gedenkzimmer, das diverse Fotos von Sudermanns Schlossleben und seiner Familie bereithält und einige Ausgaben seiner Bücher aus verschiedenen Erscheinungsjahren und neben deutsch auch in anderen Sprachen. „Frau Sorge“, das ich bearbeitet habe, war auch dabei; ich bekam eine Ausgabe vom Geschäftsführer der Stiftung, Herrn Dr. Torsten Walter, geschenkt; außerdem „Der Katzensteg“, das ich noch nicht kenne und das allein fünfmal verfilmt wurde, zuletzt 1976. Nach der Bearbeitung von „Frau Sorge“ ist das Kapitel Sudermann für mich noch nicht abgeschlossen. Ich werde weitere Titel lesen, um mehr über diesen Schriftsteller zu erfahren.
Bald war es Zeit für mich, zum Leseort zu kommen, dem Bauernmuseum mit Bauernschänke, in dessen Garten Ralf Plenz schon die „Perlen der Literatur“ aufgebaut hatte. 

Buchvorstellung im Garten

Zu den Arbeitsbereichen von Schriftstellern gehört das Vorlesen, von einigen gefürchtet, von anderen geliebt. Von mir auf jeden Fall geliebt! Da ich als Vorleserin nur eine einzige Chance habe, den Text meinem Publikum näherzubringen, gehört eine intensive Vorbereitung für mich dazu. Ich lese erst still, dann flüsternd, dann laut. Wenn ich den Eindruck habe, dass es schon ganz gut läuft, nehme ich die Lesung auf und höre sie mir an. So höre ich, was verbesserungswürdig ist. Wenn die Aufnahme letztlich stimmt, hat sich der Rhythmus des Textes bei mir verinnerlicht.

Es war kein Selbstgänger, die Ausschnitte in der schönen alten Sprache einzulesen; wer mir über die Schulter geschaut hätte, hätte viele Ausrufezeichen (mein Symbol für „Stolperstellen“) und unterkringelte Stellen (mein Zeichen für „langsam und deutlich lesen“) gefunden, dazu diverse Pausen- und Atemzeichen. Zwar hatte ich den alten Text behutsam bearbeitet, aber weder den damals üblichen Satzbau noch die langen Sätze verändert. Vor allem hatte ich Füllwörter gelöscht und vielfach das Wörtchen „so“, dessen Fehlen nicht auffallen dürfte. Einmal eingelesen, ist es für mich eine Freude, mich in den Klang der Sprache und die märchenhafte Geschichte fallenzulassen. Aus dem Publikum gab es die Anmerkung, dass es leichter falle, sich mit der alten Sprache anzufreunden, wenn der Text vorgelesen wird. Darum freue ich mich, dass es den Podcast „Der Büchermacher“ gibt, den ich gemeinsam mit dem Verleger Ralf Plenz aufgenommen habe. Drei von vier Folgen zum Buch „Frau Sorge“ bestehen aus Lesungen daraus, die erste bringt ein Gespräch zwischen Ralf Plenz und mir über das Buch. 

Die Perlenkette wird bald doppelreihig

„Frau Sorge“ ist die Nummer 37 in der Buchreihe „Perlen der Literatur“, die Ralf Plenz kurz vorstellte. 40 Bücher gibt es schon in der Perlenkette fürs Bücherregal, und mein Regalbord ist fast voll. Auch 2027 wird es weitere Titel geben, soviel ist klar. Am Büchertisch kamen wir mit einigen Gästen ins Gespräch, die sich neben der Buchreihe aus dem Input-Verlag auch für meine Lyrikbände aus dem Expeditions International Publishing House interessierten. Schließlich fachsimpelten wir bei köstlichem Essen in der Bauernschänke weiter über den „Balzac des Ostens“ genannten Hermann Sudermann, der zwar ein schwieriger Zeitgenosse gewesen sein soll, seinen Ruhm aber auch für andere einsetzte, da ihm die harte Lebensrealität Schreibender sehr bewusst war. Denn er konnte nur unter schweren Bedingungen seine Berufung zum Schreiben verwirklichen, kam er doch aus armen Verhältnissen. Eigentlich sollte, da er diese Zeiten nie vergessen hat, sein Schloss nach seinem Tod ein Schriftstellerheim für kranke und notleidende Kollegen werden, was jedoch durch den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Teilung unmöglich wurde. Trotzdem unterstützt die Stiftung seit 1955 diesen Personenkreis, zunächst durch Autorenspenden und seit 2013 mit dem Hermann-Sudermann-Preis für Dramatiker. 

Nach dieser inspirierenden Runde mit Karen Sokoll und Dr. Torsten Walter von der Stiftung, Ralf Plenz vom Input-Verlag und seiner Frau und auch im Verlag tätigen Übersetzerin Ulrike Lemke, Petra Klingl vom Rotkiefer-Verlag Berlin, die als Gast unsere Runde bereicherte, ging der Tag des offenen Denkmals in Blankensee zu Ende. Diese Begegnungen wirken noch nach und ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement. Das Thema Sudermann ist für mich noch nicht vorbei.

Impressionen aus Blankensee

Mit Frau Sorge auf Tour

Am Wochenende sehe ich endlich Hermann Sudermanns Schloss Blankensee! Nachdem ich mich eingehend mit diesem Schriftsteller beschäftigt habe, freue ich mich sehr darauf, das Gedenkzimmer zu sehen. Noch dazu darf ich gemeinsam mit Ralf Plenz in Blankensee aus „Frau Sorge“ lesen.

Wir freuen uns auf viele Gäste!

Neuer Bereich „Kooperationen“

Liebe Leserinnen und Leser,

an einem Sommerabend in meiner neuen Wohnung in Stade, dem Sehnsuchts- und Schreibort auf Zeit der letzten zehn Jahre und der Ort, in dem ich aufgewachsen bin, sitze ich gerade auf dem Balkon und schreibe diese Zeilen. In einer privat bis zur Schmerzgrenze belastenden Zeit gab es in diesem turbulenten Jahr 2025 bislang kaum Zeit zum Schreiben oder um mich den literarischen Projekten zuzuwenden. Langsam ordnet sich mein Leben neu und ich finde wieder Worte.

Meine Website habe ich optisch leicht umgestaltet mit einer anderen Farbgebung und moderneren Schrift. Im Menü findet ihr die Bereiche „Poesie“ und „Sachbuch“ jetzt unter dem Oberbegriff „Bücher“. Unter diesem Begriff gibt es jetzt einen neuen Bereich „Kooperationen“, in dem ich euch Projekte vorstellen möchte, an denen ich mitgewirkt habe, die jedoch nicht von mir geschriebene Bücher beinhalten. Das erste Projekt ist eine „Perle der Literatur“, unten seht ihr den Link und habt schon die letzten beiden Blogbeiträge dazu gelesen.

Das Aufmachen eines neuen Bereichs hat sich insofern gelohnt, als das Buch über Hilda van Suylenburg nicht das einzige gemeinsame Projekt mit dem Input-Verlag bleiben wird…

Lasst euch überraschen!

Lektorat ohne Autorin: meine starke Freundin Hilda

Ein Lektorat lebt vom Austausch zwischen Lektorin und Autorin – die eine unterbreitet Vorschläge, die andere nimmt an oder lehnt ab, nicht selten diskutieren beide miteinander. Das gibt beiden Seiten Sicherheit und stärkt im besten Fall den Text. Jedenfalls habe ich es bislang mit meiner Kundschaft so erlebt. Zum ersten Mal hatte ich mit dem Buch „Frauen, die den Ruf vernommen …“ (Originaltitel: Hilda van Suylenburg) der niederländischen Schriftstellerin Cécile de Jong van Beek en Donk (1866-1944) einen Text vor mir, den ich ohne dieses Miteinander, ohne den konstruktiven Dialog, die manchmal harten Diskussionen bearbeiten sollte und durfte. Dafür hatte ich mir den ganzen Februar nahezu freigeräumt, um in Ruhe und Stille mit Cécile gewissermaßen in einen imaginären Austausch zu gehen, mit Pausen arbeiten zu können, vielleicht auch in weitere Texte aus ihrer Feder hineinzulesen und mich mit ihrem Leben zu beschäftigen.

Die Welt aus den Fugen

Dann stürzte mein Mann am 31. Januar und schlug hart mit dem Kopf auf den Bordstein. Der Anruf erreichte mich in Stade im Parkhaus. Ich musste erst mal zu meinem besten Freund fahren, um in die Lage zu kommen, nach Hamburg zu fahren. Er und seine Frau sorgten dafür, dass ich ein Brot aß und ein Glas Wasser trank, während ich mich durch die Intensivstation telefonierte. Dann fuhr ich nach Hamburg und dort brachte mich ein guter Freund ins Krankenhaus. Mein Mann war nicht ansprechbar, was sich in den nächsten Tagen langsam verbesserte.

Meine Welt war aus den Fugen, aber ich wollte unbedingt diesen Text lektorieren und mir war klar, dass mein Mann das auch wollte und selbst seine musikalische und malerische Arbeit immer unter jeden Umständen wahrgenommen hat. Wie oft hat mich Arbeit schon in schweren Lebensphasen gerettet, mir Struktur gegeben, mich innerlich aufgebaut, mich abgelenkt vom Grübeln. So lebte ich im Februar zwei Leben: Tagsüber kämpfte ich den jeden Morgen neu beginnenden Kampf mit Pflegegradeinstufung, Kurzzeitpflegeplatz, Informationsbeschaffung, Ungewissheiten und Grübeleien und versuchte, all das von meinem Mann fernzuhalten. Abends setzte ich mich mit einem großen Becher Tee in meinen Sessel und vertiefte mich in das Buch.

Großstadt-Oasen: Ein Podcast

Foto: Ralf Plenz

UPDATE!

Ich sage es gleich vorweg: Um Podcasts habe ich früher einen großen Bogen gemacht, wenn es darum ging, dass ich nicht als Hörerin, sondern als Sprecherin gefragt war. Podcast, das unbekannte Wesen? Nicht mehr vorlesen, sondern frei sprechen oder eine Mischung daraus? Das konnte ich mir nicht so richtig vorstellen. Aber wie so oft, kommt es auch beim Aufnehmen von Podcasts darauf an, wer dabei ist und wie es vermittelt wird. Als mein geschätzter und befreundeter Kollege Ralf Plenz mich vor längerer Zeit fragte, ob ich einen Podcast mit ihm aufnehmen wolle, habe ich den Sprung ins kalte – nein, lauwarme Wasser gewagt. So kalt war es nämlich gar nicht, was allerdings der guten Vorbereitung und Rahmenbedingungen von Ralf zu verdanken ist.

Nun haben wir zu Ralfs Roman-Trilogie „Großstadt-Oasen“ zwei Interview-Podcastfolgen aufgenommen, in denen wir uns in vergangene Welten zurückversetzen. Es geht um Ottensen und die alternative Szene in den 1980er Jahren, um das Leben ohne Smartphone, aber mit echten Büchern und den Geheimbund der Isokratiker.

Folge eins ist jetzt zu hören in seiner Reihe „Der Büchermacher“: https://podcast000572.podigee.io/215-maren1

FOLGE ZWEI IST AUCH ONLINE: https://podcast000572.podigee.io/216-maren2

Die zweite Folge kommt in Kürze. Ich bin mit dem Medium Podcast warmgeworden und es könnte sein, dass dies nicht unsere letzte Aufnahme war.

Ach so: Meinen allerersten Podcast-Einsatz könnt Ihr auch noch hören, ebenfalls bei „Der Büchermacher“: https://podcast.de/episode/596049931/interview-mit-der-journalistin-und-autorin-maren-schoenfeld

Man kann den Podcast auch abonnieren 🙂