Literatur mal anders: #LitCampHH in der Katharinenkirche

Das erste LiteraturCamp in Hamburg wartet mit einer breiten Themenvielfalt, Kompetenz und beeindruckender Organisation auf. In 21 Sessions konnten die Teilnehmer am Samstag Themen rund ums Schreiben, Lesen und Vermarkten erleben. Eine Halbzeitbilanz.

Mit einem vorab durchgeplanten Seminar hat das Format Barcamp nur insoweit zu tun, als es noch besser organisiert ist. Denn die Organisatoren stehen vor der Aufgabe, vor Ort vorgeschlagene Themen und Referenten mit den Interessenten zusammenzubringen und möglichst alle Sessions (45-minütige Einheiten zu einem Thema) in den Tag zu planen. Da sie vorher nicht wissen, wie viele Interessierte sich als Vortragende und wie viele als Teilnehmerinnen und Teilnehmer melden werden, ist Organisationstalent gefragt. Das hat das Orga-Team des LitCampHH, das in den Räumen der Katharinenkirche stattfindet, eindrucksvoll bewiesen: 21 Sessions wurden innerhalb von 15 Minuten in vier Räumen und fünf Zeitfenstern untergebracht. An einer Tafel und im Internet bzw. der App zum Camp konnten die Sessions jederzeit eingesehen werden.

Und die Themen waren breit aufgestellt: Von Selfpublishing und Zensur über Flaggendesign und Heraldik in Fantasyromanen, Covergestaltung, aber auch politischen Themen wie der Platzierung rechter Verlage in der literarischen Welt war nahezu jeder Themenbereich rund um die Literatur abgedeckt: Leben mit Schwerhörigkeit, Literaturagentur – ja was?!, Coaching, #RSS ist das neue Twitter, Ho to make Rezensionen great again, Es braucht ein Dorf, um einen Charakter zu erziehen, Polyamorie, Wie reiche ich mein Manuskript bei Verlagen ein?, Blogger & Autoren – was können wir füreinander tun?, Antifa-Actioncamp, Auf gute Schreibideen kommen, Sprechen vor Publikum, Kommunizieren und Zuhören.

Ania Groß faszinierte mich mit ihren Sketchnotes, ihren Workshop habe ich begeistert mitgemacht und gelernt, wie ich aus den Buchstaben i, O und M ein Fahrrad zeichne (https://sketchnotes-hamburg.de/). Sketchnotes werden mein neues Hobby! Bei Ingeborg Helzle habe ich einiges über ästhetische Faktoren, praktische und inhaltliche Regeln der Covergestaltung gelernt (@Ebookerei), sie führte anhand der Amazon-Bestsellerliste durch die verschiedenen Arten der Covergestaltung, zeigte Stärken und Schwächen auf. Es ist ein bisschen wie bei dem Sprichwort „Kleider machen Leute“ – auch beim Buchcover kommt es darauf an, dass es das Genre erkennbar präsentiert und neugierig macht. Ingeborg Helzle nannte ihre Session denn auch „Ein gutes Cover ist wie ein Liebhaber, den man genüsslich entblättern will“. Schließlich nahm ich an einer Diskussion über Rezensionen teil, die Einblick in den Alltag der Buchblogger gewährte. Ist Autoren oder auch Verlagen klar, wie sehr die Blogger mit Rezensionsexemplaren überschwemmt werden? Wie kann eine Rezension fesseln und neugierig auf das Buch machen? Soll man „spoilern“ (Inhalte verraten, die möglicherweise die Spannung wegnehmen)? Soll die Rezension lang oder kurz sein? Oder schreibt man doch besser nur Buchempfehlungen? Keine Antworten, aber Denkanstöße, die fortwirken, gab diese Session.

Leider war es trotz der erstklassigen Rahmenbedingungen nicht möglich, alles mitzumachen, was mich interessierte. Die Rahmenbedingungen sind unbedingt einer Erwähnung wert: Es gab Frühstück, ein warmes Mittagessen und jede Menge Kuchen, dazu durchgehend Kaffee, Tee und alkoholfreie Getränke. Der Raum mit den Speisen und Getränken, die Unisex-WCs und zwei der Seminarräume sind barrierefrei. Beeindruckt hat mich auch, wie viele Gedanken sich die Organisatoren um das Wohlbefinden der Angehörigen aller Geschlechter und um den achtsamen Umgang miteinander gemacht haben. Es gibt drei Teammitglieder, die man ansprechen kann, wenn man sich diskriminiert oder ungerecht behandelt fühlt, und sogar noch eine spezielle Telefonnummer.

Das LitCampHH wurde von Sponsoren wie Autorenwelt, BoD, NetGalley, Buchjournal und Mare unterstützt. Es stand reichlich Material in Form von Fachzeitschriften, Blöcken, Bleistiften, Postkarten und Lesezeichen zum Mitnehmen zur Verfügung.

Das Format Barcamp ist, gerade hier im s-teifen Norden, mal ein sehr erfrischendes, anderes Erlebnis. Die lockere, nette und offene Atmosphäre lässt es zu, dass man schnell mit anderen in Kontakt kommt. Es war für mich ein sehr bereicherndes und inspirierendes Erlebnis, den heutigen ersten Tag auf dem Camp zu verbringen. Man darf gespannt sein, was es morgen noch alles geben wird.

Heute Abend starten ab 20 Uhr mehrere Lesungen anlässlich der Langen Nacht der Kirchen.

https://litcamphh.de/

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